Mundgeruch: Woher der schlechte Atem kommt und was dagegen hilft

Posted at Okt 23, 2017 | Posted in  Praxis | By Praxisteam Voslamber |

Mediziner sprechen vom Halitosis oder dem Foetor ex ore: Gemeint ist der Mundgeruch. Fast alle von uns kennen ihn. Der eigene Atem kann für die Umwelt und unsere Mitmenschen zu einer wahren Belastungsprobe werden. Auch wenn nur selten schwerwiegende Erkrankungen dahinterstecken, ist der Mundgeruch unangenehm und kann unsere gesellschaftlichen Beziehungen empfindlich stören.

Oftmals ist dem Betroffenen gar nicht klar, dass er für schlechte Luft sorgt. Nicht selten merkt der Betroffene nichts von seinem schlechten Atem oder legt einfach keinen Wert auf eine gute Mundhygiene. Für Kollegen oder die Familie ist es womöglich schwer, das Thema offen anzusprechen, sodass betroffene Personen bei dauerhaft unbehandeltem Mundgeruch eher gemieden anstatt aufgeklärt werden.
 

Es gibt zwei Arten von Mundgeruch

Halitosis ist der üble Geruch, der beim Ausatmen auch durch die Nase von der Außenwelt zu riechen ist. Nur rund 10 % der Betroffenen leider an dieser Art des Mundgeruchs. Gründe können Nasenpolypen, chronischer Schnupfen, Tumore, Atemwegserkrankungen, Fremdkörper, Vergiftungen, Medikamente, Diäten oder Fastenkuren sein.

Foetor ex ore ist der am weitesten verbreitete Mundgeruch und nur über das Sprechen oder bei offen stehendem Mund wahrzunehmen. Die Ursachen liegen im Bereich der Mundhöhle oder der Mandeln.


 

Die Zunge ist keine glatte Fläche, sondern besitzt Vertiefungen.

Die Ursache für den Foetor-Mundgeruch liegt an den Bakterien, die sich in den zahlreichen Vertiefungen der Zunge, in den sogenannten Krypten, ansiedeln und dort auf der rauen Oberfläche die idealen Lebensbedingungen auffinden. Sie zersetzen Eiweiß aus dem Speichel oder den Nahrungsresten. Bei diesem Zersetzungsprozess entstehen die unangenehm riechenden Schwefelverbindungen. Der bakterielle Zungenbelag tritt gehäuft mit anderen Erkrankungen wie zum Beispiel Parodontitis auf. So ist der Mundgeruch in vielen Fällen nur die Begleiterscheinung einer Erkrankung des Zahnhalteapparats.

Der Speichel spielt beim Thema Mundgeruch ebenfalls eine wichtige Rolle. Der oftmals fahle Atem am Morgen hängt damit zusammen. In der Nacht wird weniger Speichel produziert, so können sich Bakterien ausbreiten. Denn im Speichel sind antibakterielle Bestandteile enthalten, durch die der Zahnschmelz geschützt, Viren oder Pilzsporen aufgenommen und auch Nahrungsreste mitsamt Bakterien verschluckt werden. Auch beim Schnarchen oder während einer Diät ist die Speichelproduktion häufig reduziert, was zu Mundgeruch führen kann.

Schätzungen besagen, dass rund 25 % der Bevölkerung unter permanentem Mundgeruch leiden. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Betroffenen, auch weil sich dann normalerweise bereits mehr sanierte oder ersetzte Zähne im Kiefer befinden, steigt die Zahl ab dem 60. Lebensjahr deutlich an.
 

Spätere Folgeschäden nicht ausgeschlossen

Während die penetranten Ausdünstungen nach einem leckeren Essen nur bis zu 72 Stunden anhalten, ist der permanente Mundgeruch nicht nur eine Störung des sozialen Lebens, sondern auch Nährboden für Folgeschäden. Es drohen Auswirkungen auf den gesamten Organismus wenn die krankheitserregenden Keime dauerhaft die Oberhand gewinnen. Chronische Infekte im Mund stehen im Verdacht, Auslöser von Herzerkrankungen zu sein, auch Schlaganfälle und Frühgeburten sollen sie auslösen können.

Rund 95 % der Ursachen für Mundgeruch liegen im Mund- oder Rachenraum des Betroffenen oder sind direkte Folge unzureichender Mundhygiene.
 

Die Ursachen im Überblick

Zahnbelag, Plaque: Mikroorganismen bilden sich an schwer zugänglichen Stellen.
 
Zungenbelag: Bakterien setzen sich auf der rauen Oberfläche der Zunge fest.
 
Prothesen: Die schlechte Reinigung von Prothesen kann üble Gerüche verursachen.
 
Speisen, Getränke und Genussmittel: Unentdeckte Speisereste verstecken sich an Brücken oder in Zahnfleischtaschen. Verminderter Speichelfluss tritt besonders in der Nacht oder beim Schnarchen auf, aber auch beim Fasten oder während Diäten.
 
Entzündungen der Mundschleimhaut: Gelegentlich kann eine Herpesinfektion in den Mundraum übergreifen. Das kommt vor allem bei Kindern häufiger vor. Die Mundfäule wird als Gingivostomatitis herpetica bezeichnet.
 
Veränderungen der Mundschleimhaut: Zum Beispiel durch Geschlechtskrankheiten wie Syphilis entstehen kleine Wunden an der Mundschleimhaut, an denen sich Bakterien ansetzen.
 
Mandelentzündungen: Besonders bei der chronischen Variante kommt es zu Ablagerungen, die übel riechen.
 
Nasennebenhöhlenentzündungen: Solche Entzündungen können zum Beispiel durch eitrige Backenzähne auftreten.
 
Pilzinfektion: Der Pilz Candida albicans führt zu Belägen in Mund und Rachen.
 
Schlechte Mundhygiene: Verursacher Nummer 1 sind Schwefelverbindungen, welche durch die Zersetzung von Speiseresten entstehen. Folgeschäden sind Zahnerkrankungen, Karies, Parodontitis, Gingivitis, uvm.
 

Was hilft gegen Mundgeruch?

Natürlich hilft gegen jede Form von Mundgeruch vor allem die gründliche Zahnhygiene. Dazu gehören, neben dem regelmäßigen Zähneputzen, auch das Benutzen von Zahnseide, einer Munddusche und je nach Vorliebe auch die Verwendung einer Mundspülung. Nach einem reichlich gewürzten Abendessen oder einer Zigarette kann ein Mundpflegekaugummi gegen den ersten üblichen Geruch helfen. Das ist besonders im Berufsleben ideal; die Kaugummis regen kurzfristig die Speichelproduktion an.

Das regelmäßige Reinigen der Zungenoberfläche mit einer speziellen Zungenbürste aus der Apotheke ist bei Patienten, die anfällig für Mundgeruch sind, besonders ratsam. Auch wer eine sehr raue Zungenoberfläche hat, sollte die Reinigung regelmäßig anwenden, denn in der rauen Oberfläche fühlen sich Krankheitserreger aller Art sehr wohl. Ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, hilft auch gegen Mundgeruch und spült Keime und Bakterien aus der Mundhöhle.

Bei allen länger auftretenden Symptomen sollte ein Zahnarzt aufgesucht werden, der nach der genauen Ursache für den lästigen Mundgeruch forscht und, entsprechend der Diagnose, die passende Therapie wählt.